Schnee und Nase
Die Werbung lässt uns erkennen, dass Ein Auto wie ein Freund ist. Ein guter mitunter. Gute Freunde wissen eine Menge voneinander. Ich weiß genau, wann mein guter Freund beim letzten Service war. Er weiß, welche Angewohnheiten ich besitze, wenn ich in ihm sitze. So, wie 80% der Autofahrenden männlichen Bevölkerung bohre auch ich beim Stillstand meines Freundes an der Kreuzung genussvoll in der Nase und freue mich ob der dargebotenen Geheimnisse meines Körpers. Die kalte Jahreszeit bringt es aber nun leider mit sich, dass ebendieser Körperteil - sei es durch Temperaturschwankungen oder mangelnde Luftfeuchtigkeiten – austrocknet. Manchmal geht das so rapide vor sich, dass man sich es nicht aussuchen kann, auf die nächste rote Ampel zuzuwarten, um endlich wieder atmen zu können. Hier endet der Genuss, den Störenfried aus der entsprechenden Höhle zu entfernen. Gerade aber der Winter ist es aber auch, der die Straßenverhältnisse mehr als unsicher macht. Und hierbei spreche ich noch gar nicht von Glatteis. Dem nasenbohrenden, autofahrenden Menschen sind da Frostaufbrüche – Kinderkopfgroße Schlaglöcher mit Pulverschneefüllung – schon eher zuwider. Es ist vorstellbar, das die getragene Kleidung der eines OP-Gehilfen gleichen kann. Glücklicherweise geschah mir das nicht auf der Westautobahn sondern auf einer kleinen Nebenstraße, denn sonst wären kilometerlange Staus die Folge gewesen. Nasenbohrer als Stauauslöser – wie durch ein Wunder nur ein Verletzter. Und dann ich auf der Titelseite mit der halben rechten Hand im linken Nasenloch - und Blutüberströmt. Eine schöne Schlagzeile. Ab nun bohre ich nur mehr, wenn ich meinen guten Freund zum Stillstand gebracht habe. An der Ampel.