Lebenslauf
...wie alles begann
Meine Zeugung
Nach offiziellen und übereinstimmenden Berichten meiner Eltern fand deren Höhepunkt, der die beidenwesentlich notwendigen Zellen letzendlich zum Verschmelzen brachte und somit zu meiner Entstehung das Quentchen beitrugen im Kabinett meiner Urgr0ßmutter in Wien/Margarethen statt. De facto ein schlimmer Gedanke, gezeugter Wiener zu sein, jedoch, soweit mir zugetragen wurde, ist dies Vorraussetzung, Bürgermeister dieser Stadt werden zu dürfen. Zumindest is des aso in die Vereinigten Staaten vo Ameriga mitn Bresidentn.
Meine Kindheit
Meine Kindheit verbrachte ich bin zum 27. Lebensjahr in Linz/Kleinmünchen. Eine ruhige Wohngengend, in der der Arbeiteraufstand von 1927 seinen Ursprung fand und sich bis in die späten Siebzigerjahre Glaser und Tischler goldenen Extremitäten verdienten, da unendlich viel Mobilar wie auch Zähne und diverse Knochen bei den mindestens wöchentlich stattfindenden Wirtshausschlägereien zu Bruch ging.
Der nächstgelegene Kindergarten war zu Fuß in immerhin einer Stunde errichbar. Vorbei an hungrigen Wölfen durch finstere Wälder und unheimliche Riesensiedlungen. Den oft meterhohen Schnee bezwang ich barfuß und selbstverständlich in kurzen Hosen.
Diese Art vorwärts zu kommen prägte mich für mein restliches Leben. Und das Kochrezept für den Michreis aus meinem Kindergarten suche ich bis heute verzweifelt.
Die Schul- und Lehrzeit
Meine Schulzeit fand im Prizip nur unter Protest statt. Dieser äußerte sich in der Infragestellund des hierarchischen Systems der Schulorganisation an sich insofern, als dass die mir gestellten Haus- und Schulaufgaben weder zur Zufriedenheit meiner Lehrer und Lehrerinnen noch meiner Eltern gelöst wurden. Einige meiner früheren Pädagogen kamen nicht umhin, sich mehreren langfristigen und größeren psychologischen Behandlungen unterziehen zu lassen.
Nach mehreren Schulwechseln fand ich schließlich Asyl als Betriebselektrikerlehrling der VOEST-Alpine. Dem Gerücht, dass ich der Grund für die einsetzende Stahlkrise der Achtzigerjahre gewesen sein könnte muss ich jedoch entschieden widersprechen. Zumindest zum Teil.
Der erste Geschlechtsverkehr
Nichts im Leben eines heranwachsenden Buben zum Mann prägt so sehr wie der erste Geschlechtsverkehr. Mit Ausnahme des ersten alkohlischen Getränks. Zufällig fanden beide Ereignisse zum selben Zeitpunkt statt, oder besser hintereinander.
Nach der Degustation von Vaters Spirituosenvorrat mit Freunden an einem sturmfreien Freitagabend in den Tiefen des zwanzigsten Jahrhunderts erwachte ich gegen Mitternacht in einer Cocktailpfütze aus bereits Getrunkenen mit einem hartgekochten Maiskolben in meinem Mastdarm.
Nun wurde mir auch klar, dass die Biologielehrerin doch damit recht hatte, Sex diene ausschließlich der Fortpflanzung und ist bei Gott alles andere als Spaß. Weil Spaß hat immer nur der andere. In diesem Fall meine Freunde, die grinsend mein Aufwachen beäugten um mich danach bei der Entfernung des Gemüses anzufeuern.
Der Präsenzdienst
Zu Zeiten als es noch den kalten Krieg und die Gewissenprüfung gab, war es für mich an der Zeit unser Vaterland gegen den bösen Ostblock zu verteidigen. Den damals in der Kaserne so witzigen Spruch "halb Mensch, halb Tier: Der Heerespionier" fand ich nur deshalb nicht besonders treffend, weil sich die erstgenannte Hälfte kaum in den hartgesottenen und mehr als bloß trinkfest geltenden Burschen wiederfand. Glücklicherweise konnte ich meinen Präsenzdienst im Krankenrevier als Sanitäter verbringen und mir mittels geschickt vorgetäuschter Krankheiten Medikamente einerseits und Freizeit andererseits sichern. Dies nütze mir beides, um den kargen Sold des Grundwehdieners aufzubessern: In den Downtowns meiner Garnisonsstadt verhökerte ich die Medikamente an diverse Junkies der oberen Oberschicht zu mehrfach überteuerten Preisen.
Der Verfall
Das Lotterleben der militarisierten Zonen Österreichs gewöhnt, wollte sich der rechte Wille, einem anständigen Broterwerb nachzugehen nicht einstellen. Stattdessen folgten Jahre des wilden und maßloßen Umgangs mit Arbeit, Alkohol, Frauen und Universitäten. Dies gipfelte in einer wüsten Anstellung als Versicherungsverkäufer einer großen österreichischen Assekuranzgesellschaft. Fortan musste ich mich unter die Reichen und Schönen mischen, die nicht ahnten, welche Abgründe in meiner Seele schlummerten.